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Welche Einwanderergruppen gibt es in Deutschland?

Verschiedene Gruppen von Einwanderern werden häufig nach dem Hauptmotiv der Migration unterschieden. Menschen haben zwar meist mehrere Motive, wenn sie sich zur Migration entscheiden oder dazu gezwungen werden: Der Wunsch nach einem besseren Leben für sich und die Kinder, die Flucht vor Krieg und gewaltsamen Übergriffen, Verfolgung und Diskriminierung, Umweltzerstörung und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit, der Wunsch nach persönlicher Entfaltung, Weiterentwicklung und Bildung. Die Motive sind nicht immer trennscharf auseinanderzuhalten: Dazu ein Beispiel: Wenn Roma aus dem heutigen Kosovo und Serbien nach Deutschland kommen, weil sie dort als ethnische Minderheit diskriminiert werden, ist dies dann eine freiwillige oder eine erzwungene Migration?

Dennoch lassen sich für die Einwanderung nach Deutschland seit dem Ende des 2. Weltkriegs folgende Haupt-Wanderungsmotive erkennen:

Die überwiegende Mehrzahl der Einwanderer kam

  • als Arbeitsmigranten durch die Anwerbeabkommen in den Jahren von 1955 bis 1973,
  • durch Familiennachzug zu bereits in Deutschland lebenden Migranten. Dies war vor allem in den Jahren zwischen 1973 und 1985 der Fall, hält aber bis heute an.
  • als Asylsuchende und Flüchtlinge, vor allem von Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre. Seit 2011 sind die Zahlen der Asylsuchenden wieder stark ansteigend. Im ersten Halbjahr 2015 wurden in Deutschland 179.000 Anträge auf Asyl gestellt, das sind etwa 2,3 Mal so viele wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Eine Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geht davon aus, das bis Ende des Jahres eine Zahl von 450.000 Anträgen erreicht werden wird. Allerdings kann aus den Zahlen der Asylanträge nicht auf die Zahl der Flüchtlinge geschlossen werden. Denn als Flüchtlinge werden nur die gezählt, die einen Asyl- oder Flüchtlingsstatus zuerkannt bekamen und damit keine Asylsuchenden mehr sind. Etwa ein Drittel der Antragsteller haben einen Flüchtlingsstatus nach der Genfer Konvention erhalten. Bei einem Viertel der Anträge handelte es sich um sogenannte „formelle Entscheidungen“. Das heißt, dass die Anträge zurückgenommen wurden oder aber aufgrund der Dublin-Verordnung ein anderes EU-Land für die Bearbeitung zuständig ist. 37 Prozent aller Antragsteller wurde abgelehnt. Die „bereinigte“ Schutzquote liegt bei 47 Prozent.  Die meisten Asylbewerber stammen gegenwärtig aus Syrien (rund 34.500). Weitere Hauptherkunftsländer der Asylsuchenden sind das Kosovo und Albanien. Weitere wichtige außereuropäische Herkunftsländer bleiben weiterhin der Irak, Afghanistan und Eritrea. (Quelle Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)
  • als Aussiedler und Spätaussiedler (vor allem zwischen 1987 und 1999). Seit 1950 sind ca. 4,5 Millionen als (Spät-)aussiedler nach Deutschland gekommen, gegenwärtig leben davon noch ca. 3,2 Millionen in Deutschland. Ungefähr die Hälfte von ihnen stammt aus der Sowjetunion bzw. deren Nachfolgestaaten, weitere wichtige Herkunftsländer sind Polen und Rumänien. und als Bürger der Europäischen Union im Zuge der Freizügigkeit (=75 Prozent der Zuwanderer im Jahr 2014).


 
 
 

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