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Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund haben eine Behinderung?

Das Statische Bundesamt erhebt seit 2005 im Rahmen des Mikrozensus Daten zu Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Für die Jahre 2005 und 2009 liegen auch Daten zu Menschen mit Migrationshintergrund und einer amtlich festgestellten Behinderung vor. Im Jahr 2005 lag der Anteil an Menschen mit einer amtlich festgestellten Behinderung bei 7 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund und 6,6 Prozent der AusländerInnen, im Vergleich zu 13 Prozent von Menschen ohne Migrationshintergrund. 5,2 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund und 4,4 Prozent der AusländerInnen seien schwerstbehindert, im Vergleich zu 10,2 Prozent von Menschen ohne Migrationshintergrund (Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2005).

Die Gründe für die Unterschiede sind vielfältig. Erstens erfolgen die Angaben zu Behinderung im Mikrozensus freiwillig. Die sogenannte Non-Response (keine Antwort-)Rate ist bei Menschen mit Migrationshintergrund besonders hoch. Zweitens werden nur jene Menschen erfasst, die eine amtliche Anerkennung ihrer Beeinträchtigung beantragt haben. Es wird aber vermutet, dass Menschen mit Migrationshintergrund diesen Weg seltener beschreiten als Menschen ohne dieses Merkmal, weil sie unzureichend informiert sind, Nachteile oder negative Zuschreibungen befürchten oder aber die bürokratischen Hürden zu hoch sind. Drittens können die niedrigeren Zahlen möglicherweise auch auf eine Benachteiligung von eingewanderten Menschen im Anerkennungsverfahren hindeuten. Dies vermutet das Robert Koch-Institut in einer Studie zu Migration und Gesundheit von 2008 (S.-49-50).

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die Datenlage zu eingewanderten Menschen mit Behinderung noch völlig unzureichend ist. Zu dieser Feststellung kommt auch der Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Behinderung (2013). Er fordert für die Zukunft:
„Der Migrationshintergrund sollte Bestandteil aller Datenerhebungen, die sich mit Personen mit Beeinträchtigung befassen, sein. Da es Hinweise auf eine geringe Inanspruchnahme von Leistungen (…) gibt, ist es (…) erforderlich, in den Leistungs- und Maßnahmenbereichen zu erfassen, wie hoch der Anteil der Beeinträchtigen mit Migrationshintergrund ist, die die Leistungen und Maßnahmen in Anspruch nehmen“ (ebd. S. 404)

 
 
 

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