WAB Kosbach gGmbH

"VielfaltTreff" der AWO Integra gGmbH

Ausgangslage

Die „Wohnen, Arbeiten, Befähigen“ (WAB) Kosbach ist eine gemeinnützige GmbH, die seit 30 Jahren im fränkischen Erlangen Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit psychischen Behinderungen bereithält. So gibt es ambulante und stationäre Wohnbetreuung und Arbeitsangebote, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich.

Zielgruppe

Mehr als hundert Menschen wohnen und arbeiten in Einrichtungen der WAB Kosbach, jeder fünfte hat einen Migrationshintergrund – der Anteil bei den Mitarbeitern ist etwas höher. Die Quote hat sich durch die Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in den vergangenen zwanzig Jahren immer wieder gesteigert. Auf diese Erfahrung bei der Inklusion setzt man in der Stadt Erlangen auch bei der Bewältigung der aktuellen Flüchtlingskrise: Die WAB wurde Partner bei der Aufgabe, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge durch Wohnungs- und Beschäftigungsangebote zu integrieren.

Arbeitsweise

Bereits seit drei Jahren werden Asylbewerber auf Basis sogenannter 1,50-Euro-Jobs in der landwirtschaftlichen Arbeitstherapie der WAB eingesetzt. Sie können so in der Phase der Prüfung ihres Asylantrags an den Arbeitsmarkt anknüpfen und Sprachkenntnisse erwerben. Sieben Asylbewerber wurden in den vergangenen drei Jahren auf diese Weise eingebunden. Auf Basis dieser Erfahrung werden nun in weit größerem Umfang unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen. Dafür entsteht gerade ein neuer Wohnkomplex, in dem 30 Flüchtlinge betreut werden sollen.

Ressourcen

Finanziert wird dieses Projekt über Leistungen der Jugendhilfe. 17 Teil- und Vollzeitkräfte werden in dem neuen Haus eingesetzt, darunter Erzieher, Sozialpädagogen, Psychologen und interkulturelle Mitarbeiter.

Nächste Schritte

Um die Inklusion von minderjährigen Flüchtlingen und Menschen mit psychischen Erkrankungen dreht sich das von der WAB geplante „Integrationscafé“ in Höchstadt, einer Nachbarstadt Erlangens. Im Café werden die Jugendlichen ab 2016 auf eine Berufsausbildung in der Gastronomie vorbereitet.

Porträt

Die WAB Kosbach hat ihr Ziel im Namen formuliert. Das Kürzel steht für „Wohnen, Arbeiten, Befähigen“. Und dafür, Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen durch Arbeit und Betreuung einen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu verschaffen. Flüchtlinge und Asylbewerber zu integrieren, ist ein neuer Aspekt der WAB-Arbeit, erklärt Geschäftsführer Jürgen Ganzmann, der demnächst einen gebürtigen Äthiopier als Hausmeistergehilfe einstellen wird. Dieser kam vor zwei Jahren als Flüchtling nach Erlangen und wenig später in ein Integrationsprogramm der WAB. Bald soll er hier nun selbst Verantwortung übernehmen. Er ist nur einer von vielen Flüchtlingen, derer sich die WAB derzeit annimmt.

Die gemeinnützige GmbH hat 115 Mitarbeiter und betreut in 13 Häusern mehr als hundert Menschen, die beispielsweise wegen Schizophrenie, Borderlinestörungen oder Burn-Outs therapiert wurden. Neben ambulantem und stationärem Wohnen macht die WAB Arbeitsangebote mit therapeutischem Hintergrund. Schwerpunkt ist die soziale Landwirtschaft, in der externe Dienstleistungen angeboten werden.

Menschen mit Migrationshintergrund machen in der WAB einen Anteil von rund 20 Prozent aus, sowohl bei den Betreuten als auch den Mitarbeitern. Schon immer gehörten auch Asylbewerber und Flüchtlinge zu den Klienten. Vor drei Jahren beschloss Ganzmann, diese verstärkt in den Blick zu nehmen, und zwar auch jene, die keine psychischen Beeinträchtigungen haben. Asylbewerber aus einer örtlichen Gemeinschaftsunterkunft bekamen die Gelegenheit, in der WAB auf Basis von „1,50-Euro-Jobs“ mitzuhelfen. Und zwar in der landwirtschaftlichen Arbeitstherapie, in der 25 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen arbeiten. Für die Gruppe bedeutete dies eine interkulturelle Öffnung, für die Asylbewerber und Flüchtlinge eine Chance. Sie konnten ihre Deutschkenntnisse verbessern und Anschluss an den Arbeitsmarkt finden. Bis heute wurden sieben Asylbewerber und Flüchtlinge auf diese Art in der WAB integriert. Einer von ihnen war der Mann aus Äthiopien, der nun bald eine Stelle als Hausmeistergehilfe annimmt.

Und zwar in dem neuesten Projekt, das von der WAB gerade aufgebaut wird. Auch dieses wendet sich an Flüchtlinge, konkret an unbegleitete Minderjährige. Deren Zahl wächst in den Aufnahmestellen der Region stetig, sie kommen vor allem aus Syrien und Somalia, „viele mit Traumata“, sagt Ganzmann. Gerade konnte die WAB ein Haus in Erlangen erwerben, bis Ende des Jahres sollen hier nun an die 30 minderjährige Flüchtlinge unterkommen. „Sie lernen hier, ihren Alltag zu organisieren“, sagt Ganzmann. Es gibt Sprachkurse, die Flüchtlinge gehen zur Schule. Ziel ist es, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu bringen. 17 Mitarbeiter werden sich um die Minderjährigen kümmern, auch sollen die Jugendlichen in örtliche Vereine integriert werden. „Damit haben wir schon in der früheren Arbeit mit Flüchtlingen gute Erfahrungen gemacht.“

Noch nicht gestartet ist ein anderes Inklusionsprojekt der WAB. Das „Integrationscafé“ wird voraussichtlich im Sommer 2016 im benachbarten Höchstadt unter WAB-Regie eröffnen. Vor allem ältere Menschen und Demenzerkrankte sollen hier eine Anlaufstelle finden. Betrieben wird das Café, so Ganzmann, von jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern, zusammen mit psychisch Erkrankten, die von der WAB betreut werden. Die Arbeit im Café ist dabei nur ein erster Schritt für die Jugendlichen: Sie sollen über die niedrigschwellige Arbeit im Hauswirtschaftsbereich fit gemacht werden für eine spätere Ausbildung im Gastronomiebereich.

 
 

Kontaktdaten

Jürgen Ganzmann
WAB Kosbach gGmbH
Schleienweg 11, 91056 Erlangen
Telefon: 09131-750860

ganzmann@wab-kosbach.de

Link
www.wabkosbach.de

 
 
 
 

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