Umut e.V.

"VielfaltTreff" der AWO Integra gGmbH

Ausgangslage

Umut e.V. begann Anfang der 90er-Jahre als Selbsthilfegruppe von Eltern mit behinderten Kindern und Migrationshintergrund. Sie alle fanden schwer oder gar nicht Zugang Unterstützungssystem in Hannover. In der Gruppe sollten alle von den Erfahrungen der Einzelnen profitieren. Dieses Ziel setzte sich auch der Verein, der 1996 aus dem Zusammenschluss heraus gegründet wurde. Menschen der Region Hannover mit Migrationshintergrund und Behinderung oder deren Angehörigen werden seitdem beraten, um die immer noch bestehenden Barrieren zu überwinden.

Zielgruppe

Aus der Selbsthilfegruppe für Eltern wurde im Laufe der Jahre ein Verein für Angehörige von Menschen mit Behinderung und Behinderte selbst. Vor allem türkischsprachige Betroffene werden vom Verein beraten, Ziel ist aber eine Ausweitung auf ein größeres Publikum. Umut e.V. hat dabei immer ganze Familien im Blick.

Arbeitsweise

Der Verein wird ehrenamtlich getragen. Die Helfer haben meist selbst Angehörige mit Behinderung, manche auch selbst eine körperliche Behinderung und daher eigenen Erfahrungen. Familien werden zuhause besucht und zu behindertenspezifischen Themen beraten. Sehr oft geht es um die Unterstützungsmöglichkeiten durch das Amt oder die Pflegekassen. Seit Kurzem wird in den Räumen von Umut e.V. auch eine psychosoziale Beratung angeboten, auf Türkisch oder auf Deutsch. Hier können alle Themen rund um die Betreuung von behinderten Angehörigen angesprochen werden – zum Beispiel gesundheitliche, erzieherische, schulische, oder organisatorische Fragen.

Kooperationspartner

Der Umut-Vereinsvorsitzende Halil Polat spricht am Runden Tisch für Menschen mit Behinderung der Stadt Hannover für die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund, ebenso im entsprechenden Regionsforum. Mit Vereinen der Migrantenselbst- und Behindertenhilfe in der Region ist über die Jahre ein Netzwerk entstanden, nicht zuletzt, weil Umut dort auch regelmäßige Informationsveranstaltungen für Betroffene anbietet.

Ressourcen

Die Stadt Hannover zahlt seit Kurzem die Miete für die Vereinsräume. Der Verein ist angewiesen auf Mitgliedsbeiträge und Spenden. Und auf das unbezahlte Engagement der Ehrenamtlichen.

Porträt

Halil Polat war zehn, als er aus der Türkei nach Hannover zog. 15 Jahre danach, also Ende der 80er, sprach er sehr gut deutsch, gerade war er dabei, sich einen Studienplatz zu suchen. Polat fiel es damals also nicht schwer, sich im deutschen Unterstützungssystem für Menschen mit Behinderungen zurechtzufinden – was er plötzlich leider auch musste. Seine kleine Tochter nämlich erkrankte in dieser Zeit an einer schweren Meningitis, es blieb eine Behinderung zurück. Polat suchte Hilfe in verschiedenen Selbsthilfegruppen für Eltern von behinderten Kindern, hörte sich um in der Stadt. „Ich merkte, dass es kaum Gruppen gab, bei denen auch Menschen mit Migrationshintergrund dabei waren.“ Polat ließ das nicht los. Zusammen mit anderen türkischsprachigen Bekannten gründete er eine Selbsthilfegruppe für Eltern von behinderten Kindern. „Ich wollte meiner Tochter, mir und anderen damit helfen.“

Am Ziel hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert. Erst waren es drei Eltern, die zu den Treffen kamen, 1996 dann schon mehr als zwei Dutzend. „Der Bedarf in Hannover war offenbar sehr groß“, erinnert sich Polat. 1996 gründeten er und die anderen den „Verein zur Unterstützung behinderter Migranten – Umut“. Beraten werden seitdem Menschen mit Behinderung und deren Angehörige, und zwar auf ehrenamtlicher Basis. Heute gibt es ein Kernteam von acht Helfern, die meisten von ihnen haben einen türkischen Hintergrund, eine Mitarbeiterin einen iranischen. Sie machen Hausbesuche bei den rund 100 Vereinsmitgliedern oder beraten in den Vereinsräumen, die sich als Treffpunkt für Angehörige etabliert haben. Vor allem geht es um sprachliche Barrieren beim Beantragen von Hilfen und um Informationen, welche Angebote es überhaupt gibt. Angehörige, die sich allein gelassen fühlen, finden hier Bestärkung, indem sie sich austauschen.

Polat erzählt von einer Familie, die er schon seit Jahren berät. Die Mutter kümmert sich um zwei mehrfach behinderte Kinder und zusätzlich um ihren Mann, der seit einem Schlaganfall ebenfalls behindert ist. Als Polat das erste Mal die Wohnung betrat, „konnte ich nicht glauben, was ich sah“. In der Wohnung herrschte Chaos, die Mutter rieb sich bei der Pflege ihrer Familie auf. „Sie wusste einfach nicht, an wen sie sich wenden kann.“ Polat sorgte dafür, dass die Kinder beim Amt statt der Pflegestufe eins die drei bekamen. Der Vater, für den es bis dahin gar keine professionelle Hilfe gab, bekam mit der Unterstützung Polats beim Antragschreiben Pflegestufe zwei. Bis heute ist Umut regelmäßig bei der Familie, sorgt dafür, dass die Kommunikation mit Ämtern und Kassen funktioniert, die nötigen Hilfsmittel und Unterstützungsleistungen beantragt werden.

Umut e.V. steht im regen Austausch mit anderen Vereinen der Behindertenhilfe, in vielen war Polat selbst Mitglied. Unter anderem bei „Gemeinsam Leben – gemeinsam Lernen Hannover“, ein Verein, der sich für inklusive Schulbildung einsetzt. Die Vernetzung, so Polat, sei vor allem in der Anfangszeit wichtig gewesen. So konnte sich die Selbsthilfegruppe in Räumen anderer Vereine treffen. Heute sei das Angebot von Umut bei den Organisation der Behindertenhilfe in Hannover bekannt, „dort wendet man sich auch zuerst an uns, wenn es Fragen zum Thema Migration gibt“. Für Vereine der Migrantenselbsthilfe wiederum ist Umut Partner bei Fragen zu Behinderungen – zusammen werden auch regelmäßige Informationsveranstaltungen angeboten, um betroffene Menschen mit Migrationshintergrund anzusprechen. Über mangelnde Nachfrage kann Polat jedenfalls nicht klagen. „Schön wäre es, wenn wir das Ganze irgendwann auf hauptamtliche Basis stellen könnten“, sagt er.

 
 

Kontaktdaten

Kornstraße 3, 30167 Hannover
Tel.: 0511-37437483

info@umut-ev.de

Link (derzeit wird die Seite erneuert):

www.umut-ev.de 

 
 
 
 

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