Lebenshilfe Duisburg

"VielfaltTreff" der AWO Integra gGmbH

Ausgangslage

Familien mit Migrationshintergrund haben überdurchschnittlich häufig Vorbehalte gegen Angebote des betreuten Wohnens. Diese Ängste sollten im Ambulant Betreuten Wohnen der Heilpädagogischen Sozialdienste gGmbH der Lebenshilfe Duisburg abgebaut werden, indem Mitarbeiter mit Migrationshintergrund über die Angebote informieren und damit ein interkulturelles Publikum ansprechen. Dabei geht es um ambulante Betreuung. Hier sind die Schwellenängste bei Familien mit Migrationshintergrund oft geringer als bei stationären Wohnformen.

Zielgruppe

Das Ambulant Betreute Wohnen richtet sich vor allem an Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen, aber auch solche mit Mehrfacheinschränkungen, zum Beispiel einer geistigen Behinderung in Kombination mit Autismus. Etwa jeder dritte Duisburger hat einen Migrationshintergrund, dieser Anteil spiegelt sich auch im Ambulant Betreuten Wohnen wieder. 19 Klienten gibt es derzeit, acht von ihnen haben eine Migrationshintergrund. Fünf davon einen türkischen.

Arbeitsweise

Im Team arbeiten zwei Pädagoginnen mit türkischem Migrationshintergrund. Eine zentrale Rolle spielt dabei Hatice Öksüz, da sie nicht nur im Ambulant Betreuten Wohnen, sondern auch in der Sozialpädagogischen Familienhilfe mit heilpädagogischer Ausrichtung der Lebenshilfe Duisburg tätig ist. So kann Öksüz Familien mit behinderten Kindern in deren Zuhause die Angebote des Ambulant Betreuten Wohnens näherbringen. Außerdem informiert sie über die Unterstützungsmöglichkeiten der Lebenshilfe auch außerhalb der eigenen Einrichtung, beispielsweise in Moscheen.

Ressourcen

Um Sprachbarrieren zu überwinden, gibt es vielsprachige Informationsmaterialien, außerdem wird mit Dolmetschern und mehrsprachigen Ärzten zusammengearbeitet. Angestrebt wird, weitere Fachkräfte mit anderen Migrationshintergründen zu gewinnen. So wäre bulgarisch- und rumänischsprachige Beratung nützlich, da in Duisburg viele Migranten mit Sprachbarrieren aus diesen Staaten leben. Auch arabisch sprechende Kollegen könnte bestehende kulturelle Barrieren weiter abbauen.

Porträt

Nicht einmal drei Jahre ist es her, dass Hatice Öksüz zur Lebenshilfe Duisburg stieß. Zwei Drittel der Zeit arbeitet die Pädagogin mit türkischem Migrationshintergrund seitdem in der Familienhilfe, die restlichen Stunden im Ambulant Betreuten Wohnen. Öksüz war die erste Mitarbeiterin mit Migrationshintergrund in diesem erst 2009 gegründeten Bereich. Seit Beginn hilft sie dabei, Zugangsbarrieren des Ambulant Betreuten Wohnens zu interkulturellen Menschen mit Behinderung abzubauen. Die Entwicklung seitdem kann sich sehen lassen. War es vor zweieinhalb Jahren noch eine türkischsprachige Klientin, die ambulant betreut wurde, sind es inzwischen fünf. Insgesamt haben heute von 20 Betreuten acht einen Migrationshintergrund – das entspricht in etwa dem Duisburger Migrationsanteil von 35 Prozent in der Gesamtbevölkerung. „Das ist ein Erfolg unserer interkulturellen Öffnung“, sagt Hatice Öksüz. Inzwischen ist eine weitere Kollegin mit türkischem Migrationshintergrund zum Team dazugestoßen.

Dass Öksüz in zwei Abteilungen der Lebenshilfe arbeitet, hat gute Gründe. Vorbehalte vieler Familien mit Migrationshintergrund gegen jegliche Form der Wohnbetreuung hatte man in der Lebenshilfe immer wieder beobachten können. Abgebaut werden können diese Schwellenängste am besten dort, wo die Lebenshilfe Duisburg bereits mit Familien zusammenarbeitet: Zum Beispiel in der Familienhilfe. Öksüz und ihre Kolleginnen treffen Klienten und Familien meist in deren Zuhause, lernen die Wohnsituation und die damit verbundenen Wünsche kennen. „So kann man langsam ins Gespräch kommen und behutsam über das Betreute Wohnen informieren“, sagt Öksüz. „Das Interesse daran ist nämlich grundsätzlich sehr groß. Aber eben auch die damit verbundenen Ängste, das Kind ziehen zu lassen.“ Der Umzug in eine eigene Wohnung bedeute meist für die ganze Familie viel Arbeit. „Wir machen deutlich, dass der Kontakt bestehen bleibt. Und man auch auf das eigene Kind stolz sein kann, wenn es diesen Schritt geht.“

Zu Öksüz' Aufgaben bei der Lebenshilfe Duisburg gehört auch der interkulturelle Dialog außerhalb der eigenen Einrichtungen. Vor allem unter türkischsprachigen Menschen in der Stadt ist dank ihres Engagements das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens inzwischen weithin bekannt. Nicht zuletzt deshalb, weil sie darüber regelmäßig in der ganzen Stadt, zum Beispiel in Moscheegemeinden, informiert. Dank der Netzwerkarbeit der vergangenen Jahre sei man innerhalb der türkischsprachigen Gemeinde in Duisburg zur bekannten Größe geworden, freut sich auch Stephan Firlus, Leiter des Ambulant Betreuten Wohnens in der Lebenshilfe. „Familien mit behinderten Kindern wenden sich inzwischen auch von sich aus an uns“, sagt er. „Das war früher nicht so oft der Fall.“

Für Firlus und Öksüz ist es selbstverständlich, nicht nur die eigenen Kollegen interkulturell zu sensibilisieren, sondern auch die Betreuten. „Unter denen gibt es natürlich auch Vorbehalte, die wir gerne abbauen wollen“, sagt Firlus. Kürzlich zum Beispiel machte sein Team zusammen mit Bewohnern einen Ausflug in den Zoo. „Bei solchen Anlässen zeigen wir als interkulturelles Team, dass wir gut miteinander kommunizieren“, sagt Öksüz. „In der Gruppe spiegelt sich das dann. Bewohner mit und ohne Migrationshintergrund kommen ins Gespräch.“ Auch wurde ein muslimischer Bewohner, der sich für den Besuch einer christlichen Kirche interessierte, dahin vor Kurzem von einer Betreuerin begleitet. „Wenn solche Impulse kommen, nehmen wir die gerne auf“, sagt Hatice Öksüz.

 
 

Kontaktdaten

Stephan Firlus und Hatice Öksüz
Ambulant Betreutes Wohnen der Lebenshilfe heilpädagogische Sozialdienste gemeinnützige GmbH
Mülheimer Straße 200, 47057 Duisburg
Telefon: 0203-28099950
Fax: 0203-28099919

s.firlus@lebenshilfe-duisburg.de

h.oeksuez@lebenshilfe-duisburg.de

Link

www.familienzentrum-duisburg.de/lebenshilfe-duisburg-ggmbh/unsere-angebote-und-dienstleistungen/ambulant-betreutes-wohnen-bewo/

 
 
 
 

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