Interkulturelle Beratungsstelle der Lebenshilfe Berlin

Ausgangslage

Die Angebote der Lebenshilfe Berlin zeichnen sich nicht zuletzt durch eine besonders hohe Differenzierung aus. Das ermöglicht zwar eine spezialisierte Ansprache von Zielgruppen, kann aber wegen der Komplexität der Angebotsstruktur Menschen mit kulturellen oder sprachlichen Barrieren abschrecken. Um Menschen mit Migrationshintergrund besser zu erreichen, wurde deshalb 2012 die Interkulturelle Beratungsstelle Neukölln gegründet. Im Bezirk Neukölln haben mehr als 40 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund.

Zielgruppe

In Neukölln leben traditionell vor allem Menschen mit arabischen und türkischen Wurzeln. Entsprechend definierte sich auch die Zielgruppe der Beratungsstelle: Beide Mitarbeiter sprechen arabisch und türkisch.

Arbeitsweise

Durch Vernetzung mit Migrantenorganisationen und -beratungsstellen wird die Bekanntheit der Interkulturellen Beratungsstelle erhöht und damit auch das potenzielle Zielpublikum vergrößert. Durch eine zentrale Lage im belebten Zentrum Neuköllns und das offene Beratungskonzept sollen zusätzlich Menschen angesprochen werden, die sich spontan zum Thema Behinderung beraten lassen wollen und dies sonst nicht tun würden. Die Beratungsstelle hat dabei vor allem eine Lotsenfunktion: Sie vermittelt an andere Betreuungs- und Beratungsangebote der Lebenshilfe, ebenso an andere Träger oder Ämter. Seit wenigen Jahren wird aber auch direkt von der Beratungsstelle Betreuung im ambulanten Wohnen angeboten.

Kooperationen

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle „rund-um Lebenshilfe“, die in Berlin Menschen mit Behinderung und deren Angehörige umfassend berät. Zusammen werden unter anderem Seminare zur interkulturellen Öffnung veranstaltet. Außerdem arbeitet die Interkulturelle Beratungsstelle mit dem Berliner Flüchtlingsrat zusammen, was sich nicht zuletzt bei der aktuellen wachsenden Zahl der Beratungsanfragen von Asylbewerbern als nützlich erwiesen hat.

Porträt

Viele kommen erst einmal auf einen Tee vorbei. In der Interkulturellen Beratungsstelle Neukölln der Lebenshilfe Berlin legt man Wert auf eine einladende Atmosphäre. 2012 wurde die Beratungsstelle in einem typischen Berliner Ladenlokal eröffnet, und nicht umsonst in einem besonders lebhaften Teil Neuköllns, in der Briesestraße. Durch die großen Fenster fällt der Blick auf eine Kücheninsel, verschiedene Sitzgruppen und einen Samowar. „Der Samowar ist hier wichtiger als die Info-Auslage“, sagt Jürgen Schwarz, der Leiter der Beratungsstelle, und spielt damit auf die Wichtigkeit des „Laufpublikums“ an. Gerade in der Anfangszeit seien Passanten einfach nur aus Neugierde hereingekommen und hätten sich bei einer Tasse Tee das Angebot der Beratungsstelle erklären lassen, berichtet Schwarz.

42 Prozent der Bevölkerung des Berliner Bezirks Neukölln haben einen Migrationshintergrund, es gibt wohl kaum einen Teil in der Stadt, in der eine interkulturelle Beratung besser hineinpasst. Denn auch die Lebenshilfe Berlin kämpfte hier bis vor wenigen Jahren mit Akzeptanz- oder schlicht Bekanntheitsproblemen bei einem Großteil des Zielpublikums. Für Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung sollen in der Interkulturellen Beratungsstelle sprachliche und kulturelle Barrieren abgebaut werden, um den Zugang zu Unterstützungsangeboten im Bezirk zu erleichtern. Dazu tragen vor allem die sprachlichen und kulturellen Kompetenzen der beiden Berater vor Ort bei. Sie sprechen türkisch und arabisch, genau wie der größte Teil der Menschen mit Migrationshintergrund in Neukölln. „Auch die Tatsache, dass sie selbst aus eingewanderten Familien kommen, schafft Vertrauen und baut Berührungsängste ab“, sagt Jürgen Schwarz.

Grundlage der Arbeit ist die Vernetzung mit Migrantenorganisationen und -beratungsstellen, von denen es in Neukölln einige gibt. Auch diesen Kontakten ist es zu verdanken, dass die Beratungsstelle mittlerweile so gut angenommen wird. Dadurch ist auch ein Netzwerk von Ehrenamtlichen entstanden, die bei Bedarf dolmetschen können. Außerdem wird das Netzwerk kontinuierlich erweitert, um den Bedürfnissen des sehr heterogenen Kundenstamms gerecht zu werden. So nehmen derzeit die Beratungsanfragen von Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beantragen wollen, massiv zu. Die enge Zusammenarbeit mit einem Experten für Sozialrecht vom Berliner Flüchtlingsrat garantiert, dass auch sie angemessen beraten werden können.

Elementar ist die Verzahnung mit anderen Einrichtung der Lebenshilfe, insbesondere der zentralen Beratungsstelle „rund-um Lebenshilfe“. Die Teams der einzelnen Einrichtungen arbeiten eng zusammen und führen gemeinsame Veranstaltungen, Kurse und Seminare durch. Zum Beispiel die Elternkurse „Starke Eltern – starke Kinder“, der sich an alle Eltern, ob mit oder ohne Migrationshintergrund und mit oder ohne behinderte Kinder, richtet. Hier kommen Eltern im Kiez zusammen, die sonst kaum Berührungspunkte haben.

Mittlerweile hat die Interkulturelle Beratungsstelle ihr Angebot erweitert und bietet auch Betreuung beim ambulanten Wohnen an. Die Lebenshilfe Berlin reagierte damit darauf, dass Menschen mit behinderten Angehörigen und Migrationshintergrund nicht nur barrierefreie Beratung benötigen, sondern auch oft skeptisch auf stationäre Wohnangebote schauen. Das Angebot der ambulanten Betreuung, berichtet Jürgen Schwarz, werde „sehr gerne angenommen“ – weil es eine Betreuung innerhalb der Familien oder zumindest wohnortnah ermöglicht.

 
 

Kontaktdaten

Jürgen Schwarz (Leiter der Beratungsstelle) und Rubia Abu-Hashim (Beraterin)
Interkulturelle Beratungsstelle der Lebenshilfe Berlin
Briesestraße 1, 12053 Berlin
Telefon: 030-53670072

interkulturelle.beratung@lebenshilfe-berlin.de

Link

www.lebenshilfe-berlin.de

 
 
 
 

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