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Dimension einer kultursensiblen Erhebung der aktuellen (Familien-)Situation

Das Zusammenkommen von Migrations- und Integrationserfahrungen einerseits und von Behindert- Sein und Behindert-Werden andererseits kann zu einer persönlichen und familiären Konstellation und Bedarfslage führen, die ohne einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen mit Behinderung und seiner Familie nicht fassbar wird. Dabei muss ein Zusammenkommen der Merkmale „eingewandert“ und „behindert“ im Einzelfall nicht zwangsläufig zu einer doppelten Benachteiligung oder zu einem doppelten Stigma führen, auch wenn strukturelle Daten in diese Richtung weisen. Vielmehr geht es darum, im Einzelfall auszuloten, inwiefern etwa Migrations- und Integrationserfahrungen, unterschiedliche kulturelle Prägungen und religiöse Überzeugungen den persönlichen/familiären Umgang mit einer Behinderung beeinflussen und strukturieren. 

Zu Beginn eines jeden Beratungs- und Unterstützungsprozesses sollte daher eine sorgfältige kultursensible Erhebung der familiären und/oder persönlichen Lebenslage erfolgen. Dabei sollten folgende Dimensionen einbezogen werden. 

Zugehörigkeiten?

  • Herkunft
  • Nationalitäten
  • Gruppenzugehörigkeiten (ethnisch, religiös, politisch etc.)
  • Staatsangehörigkeit

Migrationsgeschichte?

  • welche Generation
  • (eigene) Wanderungserfahrungserfahrungen und wenn ja, welche (Arbeitsmigration, Fluchtmigration etc.)
  • Migrationsgründe und -erwartungen
  • Beziehung zwischen Migrationsgründen und Behinderung

Integrationsgeschichte?

  • Integrationsgeschichte
  • Diskriminierungs-. und Rassismuserfahrungen
  • Rückkehrpläne – (in Bezug auf Behinderung)

Soziale Netzwerke?

  • Familiensystem
  • Unterstützung durch erweiterte Familie (lokal oder transnational)
  • Zugehörigkeit zu und Unterstützung durch andere soziale Gruppen (Nachbarschaft, Freundeskreis, Vereine etc.)

Ökonomische Situation?

  • Einkommenssituation
  • finanzielle Hilfen bei Behinderung bekannt/beantragt oder nicht
  • Unterstützung der Familie im Herkunftsland oder Unterstützung durch die Familie

Rechtliche Situation?

  • Aufenthaltstitel (ggf. aller Familienmitglieder)
  • Staatsangehörigkeit /Staatenlosigkeit
  • unsicherer Aufenthaltsstatus (von Abschiebung bedroht oder an Behandlung des behinderten Angehörigen geknüpft)

Wohnsituation?

  • Wohnungsgröße und Lage
  • Barrierefreiheit
  • Sozialräumliche Infrastruktur

Religion/Spirituelle Überzeugungen?

  • religiöse Zugehörigkeit
  • religiöse Praktiken?
  • Religiös/spirituell begründete Heilrituale
  • soziale Netzwerke durch Religionszugehörigkeit
  • Einflüsse auf Lebensbereiche wie Ernährung, Tod und Sterben, Geschlechterrollen, soziales Verhalten
  • Erwartungen nach Anerkennung religiöser Besonderheiten 
 
 
 

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